Virtual Rig vs. physical Rig

Virtual Rig vs physical Rig

Nach längerer Zeit bin ich endlich mal wieder dazu gekommen einen neuen Blog Artikel zu schreiben. Heute geht es um das Thema Auto Fotografie, speziell um Rig-Shots.
Seit einiger Zeit fasziniert mich die Dynamik und die eingefangene Bewegung von Auto Fotos, die mit einem Rig gemacht worden sind. Für alle die nicht wissen, was ein Rig ist: Ein Rig ist im Allgemeinen ein Kamera-Führungssystem um speziell beim Film verwacklungsfreie Aufnahmen zu ermöglichne. Die Rigs gibt es in verschiedenen Ausführungen.
Im Bereich der Auto/Automotive-Fotografie ist ein Rig eben ein solcher Aufbau, mit der die Kamera mit dem Auto verbunden wird. Der Aufbau selbst besteht meist aus mind. 2 Saugnäpfen, Klemmsystemen, einer lange Stange und einer Haltung für die Kamera. In meinem Fall war es ein Walimex Pro Swivel Arm Magic. Die ganze Konstruktion habe ich mit einem Drahtseil überspannt um eine gewisse Steifigkeit und Stabilität in den Ausleger zu bekommen.

Fotografiert wird dann per Langzeitbelichtung und anschieben des Autos per Hand. Durch die lange Belichtung drehen sich dann die Räder schön, der Hintergrund ist schön unscharf. Aber das Auto bleibt dank der Verbindung zur Kamera scharf.
Soweit zur Theorie…

In der fotografischen Praxis sieht die Sache leider etwas anders aus.
Meine verwendete Stange ist eine 2×2 Meter Alu Stange mit 0.6er Wandstärke. Beim Zusammenbau wird die Stange mit einer Metallstange verstärkt. Trotz der Verstärkung und dem überspannen des Drahtseils, bekomme ich keine stabile Kameraführung während der Bewegung des Autos hin. Durch das Gewicht (im Bild mit Akkupack, aber auch ohne Akkupack) biegt es die Stange nach unten. Das Drahtseil gleicht die Biegung zwar wieder aus, aber schwingen tut es trotzdem. Zudem erhöht es die Spannung auf die Gesamtkonstruktion, sodass die Saugnäpfe stark belastet werden, was sich letzt endlich auf das Autoblech auswirkt. Grundsätzlich bekomme ich es so nicht hin, allein und ohne Hilfe eine verwacklungsfreie Aufnahme zu erstellen. Andere Fotografen Kollegen machen das besser, mit stärkeren Stangen usw. Aber mehr steht mir nicht zur Verfügung.

Da ich dennoch auf die Art der Fotos nicht verzichten möchte und ich solche Shootings gern in mein Angebot mit aufnehmen möchte, suchte ich eine andere Lösung. Die Lösung war für mich die Software „Virtual Rig“. Wie der Name schon erahnen lässt, simuliert das Programm physikalisch korrekt die Bewegungsunschärfe. Einige werden jetzt denken: „das geht doch mit Photoshop auch“. Grundsätzlich stimmt das. Allerdings wird es bei Kurven schwieriger.
Um eine glaubhafte Bewegung zu erzeugen ist es wichtig darauf zu achten, dass die Unschärfe Richtung Horizont abnimmt und auch in Kurven vorhanden ist. Das lässt sich mit Photoshop nur schwer realisieren. Und kleinste Fehler führen zu einem „unechten“ Ergebnis.
Mit der Virtual Rig Software ist das kein Problem. Man legte Pfad für die Unschärfe, bestimmt Stärke der Bewegung und man kann sogar Lichtflackern von verzerrten Lampen einfügen.
Sehr cool.

Virtual Rig Screenshot

Allerdings bedarf es sehr viel mehr Aufwand um ein virtuelles Rig Foto zu erstellen.
Man braucht mind. 2 Fotos. Einmal das stehende Objekt und die gleiche Aufnahme ohne Objekt.
Dann wird das Foto ohne Objekt gerigt. Das zweite Foto mit Objekt wird dann eingefügt wo die noch scharfen Bildelemente entfernt werden, sodass unscharfer Untergrund und scharfes Objekt zu sehen sind. An der Stelle muss man sehr genau arbeiten und sich Zeit lassen. Macht man hier einen Fehler, z.b. beim ausschneiden des Objektes, oder unpassende Schatten, wirkt das Foto unecht. Das Objekt wirkt dann wie eingeklebt. So sollte es nicht sein.
Macht man aber alles richtig, erhält man zusammen mit zusätzlichen Gestaltungselementen ein dynamisches und harmonisches Foto.

Virtual Rig Resultat

Vorteile eines physischen Rig:

  • authentische Bildwirkung
  • schnellere Umsetzung
  • weniger Aufwand in der Nachbearbeitung

Nachteile eines physischen Rig:

  • teure Ausrüstung
  • klobiger Aufbau
  • Kontakt zum Fahrzeug
  • Saugnäpfe hinterlassen Ringe auf dem Lack
  • Gefahr durch Schäden am Fahrzeug
  • geringe Bildausbeute an „wirklich“ verwacklungsfreien Bildern
  • zweiter Mann zur Stabilisierung nötig
  • bei Wind nicht ausführbar

Für die Erstellung am Tag ist ein teurer Graufilter nötig um das Bild für die Langzeitbelichtung ausreichend dunkel zu machen. Stimmt die Belichtungszeit nicht genau, sodass man den Graufiltereffekt neutralisert, erhält man einen unschönen Farbstich im Foto.

Vorteile Virtual Rig:

  • keine Nachteile des physischen Rig
  • mehr künstlerische Freiheiten im fotografischen Teil
  • flexibler in der Erstellung

Nachteile:

  • teure Software
  • erhöhter fotografischer Aufwand
  • hoher Zeitaufwand in der Bildbearbeitung
  • gutes Know-How in der digitalen Bildbearbeitung erforderlich

Mein Fazit:

Es macht Spaß die Faszination an bewegten Bildern auszuleben zu können und zu experimentieren. Und ich bin jetzt froh für mich eine Lösung gefunden zu haben, solche Bilder auch umsetzen zu können, da die physische Variante zu unsicher in Erstellung des Fotos und mit dem Umgang des Objektes ist. Und da sich mir die Möglichkeit eröffnet solche Rig-Shots mit Supersportwagen machen zu können, stellt sich für mich die Frage einfach nicht, ob physical oder virtual Rig.
Es ist ein Unterschied ein einem 300k KM Golf Schaden zu machen oder an einem 200k teurem Auto. Daher kann die Entscheidung nur richtig sein.
Und letztendlich sprechen die Ergebnisse für sich.
Automotive Rig-Shots machen Spaß, wenns den funktioniert. Bei mir hats das nicht. Und das Risiko eines Schadens am Auto ist mir zu hoch. Da nehme ich die Mehrarbeit in der Post Produktion gern in Kauf.

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